The Walking Dead

Postmortale Lebensformen. 24. August – Köln Odonien. Der Spontanentschluss auf den Vortrag über Postmortale Lebensformen, ein „Zombieverteidigungsseminar“, zu gehen wurde von dem Eventteil des KSTA getriggert. Einen Anruf und eine unkomplizierte Kartenreservierung später war die Sache in trockenen Tüchern und wir gewappnet für einen Abend mit den Untoten. Der 70-minütige Vortrag versprach uns geballtes Wissen über theoretische Grundlagen, wirksame Angriffstechniken gegen die infizierten Toten, sowie essentielle Überlebensstrategien in einer apokalyptischen Welt. Apokalyptisch war vor allen Dingen eins: das Wetter. Kaum war ein Parkplatz gefunden und das Odonien betreten steuerte der Wettergott den dunklen Himmel, die schweren Wolken und Massen von Wasser bei. Was am Himmel wunderbar dramatisch aussah wurde spätestens beim Betreten der Open Air (!) Location zum Fluch. Matschpfützen, Regentraufen, nasse Stühle. Aber nun gut, um das Leben durch ein Seminar zu retten ist einem hartgesottenen Zombie-fan das bisschen Wasser auch egal. Bereits am Eingang bekam jeder sein Stempelchen und seine Teilnehmerkarte, sowie ein kleines Shot-gläschen voll mit „Antivirus“ in quietsch-rot und mit Gummibärchenaroma. Nach kurzer Besichtigung der eindrucksvollen und sehr passenden Location und der Begutachtung der knapp 100 anderen Seminarteilnehmer stellen wir fest: Um uns herum sitzen ähnlich Zombiebegeisterte Menschen in Multifunktionswesten und Umbrella Corporation T-Shirts. Der Alkohol fließt, die Stimmung ist gut. Und dann geht es mit minimaler Verspätung los. Von dramatischer Musik angekündigt, unterlegt mit Ausschnitten aus verschiedenen (älteren) Zombiefilmen betreten die beiden Seminarleiter die Bühne. Frank Hartmann und Till Rigmor, gewandet in Laborkitteln und funktionellen Outfits. Sie erklären den Seminarablauf und schnell wir hier die Rollenverteilung klar. Hartmann mimt den sachlichen Wissenschaftler und Rigmor den cholerischen Überlebenskämpfer. Sie weihen uns teils interaktiv in ihre Erkenntnisse dem Zombie-Virus gegenüber ein (was ist ein Zombie? Wie erkenne ich ihn?) und zeigen hier und dort angeblich authentisches Filmmaterial von echten Zombieangriffen in der Umgebung. Leider ist die Tontechnik nicht ganz das wahre, denn nicht nur die Filme sondern auch Rigmors cholerisches Rumgeschreie fetzt einem regelmäßig die Trommelfelle weg. Doch die Gehörgangszerstörung ist leider nicht das einzige Manko. Auch Rigmors Textunsicherheit und ständige Zuhilfenahme seines Skripts zerstören die Authentizität und Professionalität der beiden. Es folgen Demonstrationen von Waffen (Teil 3: Wie bekämpfe ich einen Zombie) und zwei Freiwillige aus dem Publikum dürfen ihr Glück mit Brecheisen an Gipsköpfen oder Paintballschusswaffen ausprobieren. Dabei immer das oberste Gebot: „die Zerstörung des Gehirns“. Dieses Mantra wird sektenähnlich von den Seminarleitern immer wieder eingefordert und kristallisiert sich schnell als die einzig wahre Information heraus. Der Alkohol fließt weiter und die Stimmung steigt teilweise bis hin zu sinnlosem Grölen. Zum Schluss versprechen uns die Seminarleiter das Highlight der Show: einen echten Zombie. Dieser wird als Anschauungsobjekt und unter großem Sicherheitsaufwand auf die Bühne geführt und alles was bis dato erklärt wurde, wir hier erneut am „lebenden“ Objekt gezeigt. Bis auf „die Zerstörung des Gehirns“; zum Beispiel durch ein Brecheisen. Schade. Der Zombie wird wieder abgeführt und es folgt die obligatorische Fragerunde. Die Fragen der umstehenden sind wenig originell und weisen keinerlei Komplexität oder Bezüge zu bekannten Filmen und Mythen auf. Wieder schade. Dann schließt sich die Veranstaltung langsam und wir verlassen etwas enttäuscht frühzeitig das Gelände. Wir sind uns einig: das kann man doch besser machen. Unsere (vielleicht zu) hohen Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Wir hätten uns etwas mehr Professionalität gewünscht. Etwas mehr (gespielte) Seriosität. Etwas mehr Referenz zu großen Zombie-Entitäten wie beispielsweise der Umbrella Corporation. Einfach mehr Tiefe und mehr Komplexität. Dieser Vortrag erinnerte uns böserweise etwas an einen Wikipedia Eintrag. Inhaltlich grob stimmig, semi-professionell, flach. Für mehr Informationen bitte Hyperlink anklicken. Alles in allem ein sehr zwiespältiger Abend. Tolle Location, toller Anlass, super Abendprogramm. Nur Inhaltlich in der Umsetzung mau. Das beste am ganzen Abend: wenn in Zukunft jemand nach unseren apokalyptischen Kompetenzen fragt können wir stolz behaupten Absolventen eines Zombieverteidigungsseminars zu sein. Und das für nur 13 Euro... das macht uns zumindestens offiziell kompetent. Inhaltlich... nunja, inhaltlich wissen wir jetzt worauf es bei der Zombieverteidigung ankommt: Die Zerstörung des Gehirns.

26.8.12 13:37

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